Frauenpower: das Fest der Durga

In einem Durga-Pandal in Calcutta

In Nordostindien, vor allem in der Metropole Calcutta, liegt das Gute in den Händen einer Frau. Sie heißt Durga und ist die Hauptgöttin der bengalischen Hindus. Durga besiegte einen üblen Dämonen. Der konnte sich in allerlei furchterregende Tiere verwandeln, aber das hielt die Göttin nicht ab, ihn schließlich als Büffel zu töten. So siegte das Gute über das Böse, in welcher Gestalt auch immer es auftritt.

Ende Oktober eines jeden Jahres verwandeln sich Stadt und Land am Unterlauf von Ganges und Brahmaputra in ein einziges über zehn Tage dauerndes Fest (in Sanskrit puja, wörtlich „Ehrerweisung“). Es ist eine Mischung aus Weihnachtsmarkt und Erntedankfest: Es wird gut gegessen, gefeiert, Verwandte werden besucht und alle konkurrieren um den schönsten Durga-Altar. Familien untereinander, Nachbarschaften, ja ganze Dörfer und Städte. Dazu werden aufwendige provisorische Tempel gebaut, Zelte oder Holzkonstruktionen mit Dekorationen aus Stoff und Papier. Im Mittelpunkt stehen Tonfiguren der mächtigen Göttin, die bemalt und mit festlicher Kleidung ausgestattet sind. In den Straßen Calcuttas gibt es solche Durga-Pandals an jeder Ecke. Dazu Essenstände, Karussels und Straßenmusikanten.

Die Figuren der Göttin werden am letzten Tag des Festes in Prozessionen zum Hooghli-Flussufer gebracht und dort dem Wasser übergeben, frei nach dem Motto: „Aus den Sedimenten des Flusses wurdest du erschaffen, dem Fluss geben wir dich zurück“.

Tatsächlich gibt es eine Nachbarschaft in der bengalischen Großstadt, die ausschließlich von der Erzeugung der Tonfiguren lebt und diese Tradition über lange Zeit weitergegeben hat.

Durga und ihr jährliches Fest sind eine identitätsstiftende Angelegenheit in Westbengalen. Ähnlich wie Meenakshi in Südindien oder Ganesh in Bombay so haben die Göttinnen und Götter in Indien auch immer regionale Verkörperungen. Ein Besucher des Subkontinents verliert leicht den Überblick, zumal die dazu gehörigen Geschichten aus dem Hindumythos komplizierte Handlungen mit wechselnden Reinkarnationen der Gottheiten enthalten. 

Im Corona-Jahr 2020 ist auch die Durga-Puja anders: Zwar gibt es die Pandals. Aber sie dürfen von Besuchern nicht betreten werden, da der sichere Abstand nicht gewährleistet werden kann. Die indische Presse berichtet, dass sich kaum jemand an die Vorgaben der Behörden hält, zumal Calcutta die am dichtest besiedelte Stadt der Erde ist – Abstand halten ist hier schon im Alltag unmöglich. Aber man mag auch bezweifeln, ob Polizisten oder Ordnungshüter selbst von der Regelung überzeugt sind. Zu tief ist der Glaube an die Macht der Durga in den Bengalis verwurzelt. Sie werde wohl auch, wie der britische GUARDIAN schreibt, mit dem Dämon Corona fertig werden.

Weitere Informationsquellen:

Coronavirus und Durga Puja (engl). THE HINDU online, 22.10.2020

Coronavirus und Durga Puja (engl). THE GUARDIAN online, 22.10.2020

Veröffentlicht von

Reiner's Journal

Frequent Traveler

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