Über mich

Januar 2022, Salalah, Oman

Ich ertappe mich in diesen Zeiten dabei, lieber zurück zu blicken als in die Zukunft. Das mag auch meinem Lebensalter (Jahrgang 1954) geschuldet sein. Im Nachhinein lässt sich festhalten, dass spätestens im Jahr 2014 entscheidende Weichen für Europa gestellt wurden, die damals nicht richtig eingeschätzt wurden. Die Kandidatur und Wahl eines US-Präsidenten 2016, der die Welt auf den Kopf stellte, die Flüchtlingskrise Ende 2015 und das Votum der Briten im Sommer 2016, die EU zu verlassen, scheinen mir heute wie Gewitter am Horizont. Aber was sich in und aus Moskau heraus entwickelt hat, haben wir ignoriert. Heute, im März 2022, gibt es einen brutalen Krieg um Territorium in Europa, der an das 19. Jahrhundert erinnert und dessen Ende und Auswirkungen nicht absehbar ist.

Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder sowie ein Enkelkind, um dessen Zukunft in dieser Welt ich mir mehr Gedanken mache denn je. Das geht ganz sicher vielen Eltern und Großeltern so.

Aufgewachsen in Südwestfalen, Studium in Aachen und Mainz und das Referendariat fürs Zweite Staatsexamen Lehramt in Wiesbaden abgeleistet konnte ich anschließend mit Familie für drei Jahre (1983 bis 1986) nach Südindien „auswandern“ und als Lehrer an einem Internat in Tamil Nadu arbeiten. Für ein gutes Jahr wohnten wir danach in Saarbrücken, bevor es für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen nach Bangladesh ging. Im UNDP-Büro in Dhaka war ich von 1987 bis 1990 tätig. 1991 habe ich eine journalistische Ausbildung in Köln gemacht und von 1992 an war ich Redakteur und Mitherausgeber einer Fachzeitschrift in Braunschweig. Seit Anfang 2017 bin ich im Ruhestand.

In den 1970er Jahren war ich begeisterter Interrailer quer durch Europa. Aber Reisen in den Nahen Osten 1976, über Land nach Indien 1977 und durch Südostasien 1979 haben meine Perspektive von der Welt, von Menschen und Kulturen nochmals entscheidend beeinflusst – und sich in meiner Berufswahl widergespiegelt.

Beruflich war ich für die englische Ausgabe meiner Zeitschrift viel unterwegs, vor allem in die USA, aber auch nach Moskau, Japan und Hongkong. Als Reiseleiter für Lehrerfortbildungen habe ich ein Dutzend Fachexkursionen nach Indien und Sri Lanka organisiert. Neben Indien sind meine Interessensschwerpunkte die Türkei, Malaysia, Indonesien und China. Ich war zudem drei Jahrzehnte lang Examiner im International Baccalaureate, einem weltweiten Schul-Curriculum.

All diese Horizonte haben meine Weltsicht erweitert und geformt. Umso bedrückender war es für mich, wie zerstörend die Corona-Pandemie auf Gesellschaft und Wirtschaft rund um den Erdball wirkten. Als sei das noch nicht schlimm genug, wird die Pandemie von einem Krieg im „Mutterkontinent“ der Weltkriege überlagert, der die Welt – und alles was sie zusammen hält – vollends verändern wird.

Wolfenbüttel, im März 2022

Reiner Jüngst      Contact me: reinerjuengst@gmx.de